Jahresrückblick 2026


Halbjahresbericht 2026 des Vereins Nepal-Schulprojekt – Zukunft für Kinder – e.V.

 

Oder: warum Hilfe zur Selbsthilfe manchmal auch Geduld, Offenheit und Verständnis für andere Kulturen bedeutet

Das Jahr 2026 ist für unseren Verein Nepal-Schulprojekt – Zukunft für Kinder – e.V. mit Sitz in Ebersbach/Fils weiterhin geprägt von großer Dankbarkeit, bewegenden Begegnungen, aber auch von Entwicklungen, die uns nachdenklich machen.

 

Nach dem großen Jubiläumsjahr 2025 möchten wir allen Mitgliedern, Freunden, Sponsoren und Wegbegleitern einen Einblick geben, was sich in den vergangenen Monaten in Nepal und rund um unsere Projekte bewegt hat.

 

 

25 Jahre Nepal-Schulprojekt – ein ganz besonderer Abend in Ebersbach

Am 19. September 2025 durfte der Verein gemeinsam mit 155 Gästen aus nah und fern sein 25-jähriges Bestehen im Haus Filsblick in Ebersbach feiern. Unter den Gästen waren nicht nur örtliche und regionale Würdenträger, sondern vor allem viele Menschen, die den Verein seit Jahren begleiten und unterstützen – Sponsoren, Freunde, Weggefährten und Gönner.

 

 

Besonders beeindruckt waren die Anwesenden über den „Baum“, der in Nepal gefertigt wurde und alle Projekte in der Zeitabfolge darstellt und besonders gefreut hat uns die Teilnahme einer Gruppe von Zahnärzten aus Chemnitz. Sie unterstützen seit Jahren die medizinische Versorgung in der abgelegenen Region Humla und führen dort regelmäßig Zahnbehandlungen und kleinere zahnmedizinische Eingriffe durch – in einer Region, in der der nächste „normale“ Zahnarzt oft Tagesreisen entfernt liegt. Ihr ehrenamtliches Engagement ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie konkrete Hilfe des Vereins und ihrer Förderer direkt bei den Menschen ankommt.

 

 

Einer der emotionalsten Momente des Abends waren die Grußbotschaften ehemaliger „Humla-Kinder“. Über 20 junge Erwachsene, die früher in einem Kinderheim in Kathmandu lebten und durch die Unterstützung des Vereins Bildung und Ausbildung erhalten konnten, meldeten sich per Video aus aller Welt.

 

 

Heute arbeiten sie in den unterschiedlichsten Berufen, haben Familien gegründet und sich eigene Existenzen aufgebaut. Die Freude darüber war groß – gleichzeitig blieb bei vielen Gästen auch ein nachdenklicher Gedanke zurück: Nur drei dieser jungen Erwachsenen leben und arbeiten heute noch in Nepal. Alle anderen haben das Land verlassen, weil sie dort keine Perspektive gefunden haben. Für Nepal selbst ist das ein großer Verlust.

 

 

Das Fahrzeug für Chelsa kommt

Das bereits 2025 angekündigte geländegängige Fahrzeug für die Projekte in Chelsa wird nach der Regenzeit Ende September angeschafft und dauerhaft im „Tibetian Settlement“ stationiert.

Die Finanzierung konnte dank großzügiger Spenden – unter anderem der Daimler AG, des Rotaryclubs Göppingen und weiterer Unterstützer – vollständig gesichert werden.

 

 

Mit dem Fahrzeug können künftig Obst, Gemüse und Teppiche aus Chelsa zuverlässiger und günstiger transportiert werden. Gerade in der Monsunzeit und in den Wintermonaten war dies bisher oft ein großes Problem. Die offizielle Übergabe des Fahrzeugs soll beim nächsten Besuch von Astrid Vöhringer ab dem 18.10.2026 in Nepal stattfinden.

 

 

Chelsa entwickelt sich weiter – und zeigt gleichzeitig die Herausforderungen von Entwicklungshilfe

 

Das Projekt in Chelsa bleibt weiterhin einer der großen Schwerpunkte des Vereins. Die Streuobstwiese, die Gemüseproduktion und die Wiederbelebung traditioneller Handwerksarbeit entwickeln sich positiv.

 

Im nächsten Schritt sollen weitere 50 rauchfreie Öfen angeschafft werden. Danach wären alle rund 150 Häuser des „Tibetian Settlements“ mit modernen Öfen ausgestattet – ein wichtiger Beitrag gegen Atemwegserkrankungen, Bronchitis und Kohlenmonoxidvergiftungen. Ein besonderer Dank geht dafür an die HAGOS eG für die Anschubfinanzierung.

 

Allerdings zeigt sich gerade in Chelsa auch sehr deutlich, wie unterschiedlich Kulturen mit Arbeit, Verantwortung und Qualität umgehen.

Krankheitsbedingt musste Astrid Vöhringer ihre letzten beiden geplanten Reisen nach Nepal absagen. Die Projekte liefen zwar weiter und nahezu täglich erreichten uns Bilder, Berichte und Videos per WhatsApp und andere Medien – aber gleichzeitig zeigte sich, wie stark viele Abläufe weiterhin von persönlicher Begleitung und Kontrolle abhängen.

Das zieht sich wie ein roter Faden durch viele Projekte: Nepali sind oft schneller zufrieden als wir in Deutschland, diskutieren Ergebnisse ausführlich, ziehen daraus aber nicht immer die notwendigen Konsequenzen.

 

Ein Beispiel dafür war der Baumschnitt auf der großen Streuobstwiese. Auf den Bildern war für Astrid Vöhringer sofort erkennbar, dass die Arbeiten in diesem Jahr nachlässig durchgeführt worden waren. Vor Ort war dies zunächst niemandem aufgefallen. Erst auf Nachfrage wurde eingeräumt, dass Anfang des Jahres „geschlampt“ worden war. Die Folge: weniger Früchte und schlechtere Qualität.

 

Ähnlich überraschend war für uns, dass das Pflanzen der Kartoffeln – die im vergangenen Jahr einen wichtigen Beitrag zu den Einnahmen geliefert hatten – schlicht vergessen worden war.

 

Was bei uns kaum vorstellbar wäre, gehört in Nepal teilweise zum Alltag. Genau solche kulturellen Unterschiede müssen bei langfristigen Hilfsprojekten mitgedacht und eingeplant werden. Entwicklung braucht dort oft deutlich mehr Geduld, Begleitung und Wiederholung, als wir dies aus Deutschland gewohnt sind.

 

 

Politische Entwicklungen bereiten Sorge

Mit Sorge beobachtet der Verein aktuell auch die politische Entwicklung in Nepal. Die neue Regierung mit ihrem jungen Ministerpräsidenten sucht verstärkt die Nähe zu China.

Für unseren Verein hat dies direkte Auswirkungen, weil viele unserer Ansprechpartner und Unterstützer der tibetischen Minderheit angehören. Diese gerät zunehmend politisch unter Druck.

 

Besonders betroffen ist auch ein enger Wegbegleiter des Vereins: ein hoher geistlicher Würdenträger, der viele Projekte über Jahre begleitet und unterstützt hat, war zuletzt massiven Drohungen ausgesetzt und musste Nepal verlassen. Er lebt inzwischen im Exil in Südindien.

 

Welche Auswirkungen diese politischen Veränderungen langfristig auf die Arbeit des Vereins haben werden, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen.

 

 

Das „Schlepperwesen“ als große Herausforderung

Große Sorgen bereitet dem Verein außerdem die Entwicklung rund um die organisierte Vermittlung von Arbeitskräften ins Ausland.

In Nepal existiert inzwischen eine regelrechte „Industrie“, die junge Menschen mit Versprechungen von Arbeit und Wohlstand ins Ausland vermittelt. Immer wieder berichten Medien sogar über junge Männer, die sich als Soldaten für den Krieg Russlands gegen die Ukraine anwerben lassen.

Auch der Verein ist inzwischen direkt betroffen: Die von uns ausgebildete Hebamme im Gesundheitsposten in Humla hatte dort über Jahre hervorragende Arbeit geleistet und viele Frauen sicher bei Geburten begleitet.

 

Inzwischen hat sie ihre Familie und ihre Arbeit in Humla verlassen, weil sie von Vermittlern für einen Hoteljob nach Frankreich angeworben wurde.

 

Ein Einzelfall ist das nicht. Und oft bleiben die tatsächlichen Hintergründe und Bedingungen dieser Vermittlungen unklar.

 

Der Verein hat aus der Situation pragmatisch eine Tugend gemacht. Eine der Verantwortlichen, Sushma schaltete – zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins – eine Stellenanzeige. Erfreulicherweise konnte schnell mit Suna eine neue Hebamme gefunden werden, sodass die Versorgung der Schwangeren und Kranken in der abgelegenen Region Humla weiterhin gesichert bleibt.

 

 

Danke von Herzen

Gerade in Zeiten solcher Herausforderungen wird deutlich, wie wichtig die Unterstützung vieler Menschen ist.

 

Wir danken allen Mitgliedern, Freunden, Sponsoren und Gönnern unseres Vereins sehr herzlich für ihre Treue, ihre Geduld, ihr Vertrauen und ihre Unterstützung.

 

Seit über 25 Jahren tragen viele Menschen aus Deutschland dazu bei, Kindern und Familien in Nepal Zukunft, Bildung und Hoffnung zu ermöglichen.

 

Dafür sagen wir von Herzen:
Vielen Dank – und Namaste.

 

Ebersbach/Fils, im Sommer 2026

 

Astrid Vöhringer
Stephan Vomhoff